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Galicien

  • vor 4 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

In unserer Brust schlagen zwei Herzen. Eines für die mediterrane Lebensfreude der spanischen Kultur und eines für die dramatisch-melancholische Landschaften Irlands. Diese beiden Vorlieben sind jedoch nur auf den ersten Blick unvereinbar, denn Galizien trotzt dieser Kategorisierungen und bietet eine landschaftliche Abwechslung, die wiederum entsprechend diverse Aktivitäten ermöglicht.


Galicien ist eine historisch-kulturelle Region im Nordwesten der Iberischen Halbinsel und eine Autonome Gemeinde Spaniens. Verwaltungssitz ist Santiago de Compostela, die größte Stadt ist Vigo. In Galicien sprechen viele Einwohner bis heute nicht Spanisch, sondern Galicisch, das dem Portugiesischem sehr ähnlich ist.


Dank des Einflusses des Atlantischen Ozeans ist Galicien Teil des sogenannten „Grünen Spaniens“, das sich durch eine günstige ökologische Lage auszeichnet und seit jeher für seine heilenden Thermalquellen bekannt ist. Das Klima ist geprägt von milden, aber regnerischen Wintern und mäßig warmen Sommern. Die Durchschnittstemperatur im Sommer liegt bei 27–34 °C, im Winter bei 14–22 °C. Man sollte sich bei einem Besuch auf Regen einstellen, da Galizien mit bis zu 150 Regentagen zu den regenreichsten Regionen Spaniens gehört.


Gerade wegen dieser wilden Küstenverläufe bietet sich ein Roadtrip entlang der galicischen Küste, vom rauen Norden bis in den milderen Süden, an. Die Küste ist extrem zergliedert, mit über 1.600 Kilometern voller Steilküsten, den fjordähnlicher Rías, abgelegener Buchten und kleiner Fischerdörfer, die oft abseits größerer Verkehrsachsen liegen. Viele der eindrucksvollsten Orte, wie etwa versteckte Strände, Leuchttürme oder Aussichtspunkte, sind nur flexibel mit dem Auto erreichbar. Hinzu kommt, dass Galicien weniger touristisch erschlossen ist als viele andere spanische Regionen. Statt durchgetakteter Infrastruktur lebt die Experience hier von Freiheit, Improvisation und dem bewussten Verweilen an Orten, die man zufällig entdeckt.


Finisterre

Galicische Küste, Foto Alberto Gasco
Galicische Küste, Foto Alberto Gasco

Das wohl berühmteste Kap ist Finisterre. Der Name leitet sich vom lateinischen Ausdruck „finis terrae“ ab, da die Römer hier das Ende der Welt vermuteten. Am dortigen Leuchtturm befindet sich der Gedenkstein mit dem Kilometer-Nullpunkt des Jakobswegs, sowie das Kreuz am Meer, an dem es Brauch ist, einen Stein als Erinnerung an den Besuch zurückzulassen.


Las Catedrales

Der Strand der Kathedralen (Playa de las Catedrales auf Spanisch und Praia das Catedrais auf Galicisch), ist ein Strand, bekannt für die spektakulären, über 30 Meter hohe, Bogen- und Höhlenformationen seiner Klippen, die an Strebepfeiler einer Kathedrale erinnern. Bei Ebbe kann man an diesem Ort zwischen den Klippen und den durch Meereserosion entstandenen Meereshöhlen spazieren gehen.


Torre Hercule

Der Herkulesturm ist ein antiker römischer Leuchtturm, auf einer Landzunge von A Coruña. Er lässt sich angenehm zu Fuß von der Stadt aus erreichen und ist für wenige Euro komplett begehbar. Der Turm ist 55 Meter hoch und überblickt die spanische Küste am Nordatlantik. Das fast 1.900 Jahre alte Bauwerk ist der älteste römische Leuchtturm, der heute noch in Betrieb ist und wurde deshalb 2009 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.


Der Legende nach, die keltische und griechisch-römische Elemente miteinander vermischt, tötete der Held Herakles dort den Riesen Geryon. Herkules begrub daraufhin nach keltischer Tradtition den Kopf des Geryon zusammen mit seinen Waffen und befahl, an dieser Stelle eine Stadt zu errichten. Der Leuchtturm auf einem Schädel und zwei Knochen symbolisieren den begrabenen Kopf von Herakles’ Feind und sind bis heute im Wappen der Stadt A Coruña abgebildet.


Aktivitäten


Camino Finisterre

Der Camino Finisterre ist die Verlängerung des Jakobsweges. Santigo de Compostelle ist nicht dessen Ziel, sondern sein Ausgangspunkt, weshalb der Weg nach Finisterre also streng genommen eigentlich nicht der Jakobsweg ist.


Es ist jedoch in der Regel ein Ziel für die hartgesottenen Pilger, die den Jakobsweg nach Santiago de Compostela noch nicht genug war und beschließen, ihre Pilgerreise um etwa hundert Kilometer zu verlängern. Der Tradition zufolge nehmen die Pilger hier ein Bad im Meer als Zeichen der Reinigung, verbrennen ein Kleidungsstück, das sie während der Wanderung getragen haben, und sammeln schließlich eine der Muscheln (Symbol des Jakobsweges), die am Strand zu finden sind, als Beweis für die vollendete Pilgerreise.


Da das Jakobswegssystem eine gut dokumentierte Wanderroute ist, bietet sie sich auch für das säkulare Wandern an. Denn man muss kein erzchristlicher Büßer sein, um diese seit Jahrhunderten gut erschlossene Wanderinfrastruktur genießen zu können


Surfen

Playa del Orzán, Foto Eduardo Fernández
Playa del Orzán, Foto Eduardo Fernández

In Europa hat man nur selten die Möglichkeit innerhalb einer Stadt zu surfen. In A Coruña bietet sich jedoch diese Möglichkeit am Hausstrand der Stadt, der Playa del Orzán. An der direkt hinter dem Strand verlaufenden Hauptstraße liegen mehrere Surfshops und -schulen, von denen aus immer wieder kleine Grüppchen an Surfern samt Montur und Bretter die paar Meter über die Ampel zum Strand marschieren. Diese Copacabana in Klein bietet Anfängerwellen, die später im Jahresverlauf, im Oktober bis März, dann aber auch anspruchsvoller anschwellen.


Eine weitere Empfehlung ist der weitläufig Strand Praia de Baldaio, der durch seine Naturbelassenheit, Beständigkeit und Ruhe besticht. Der Spot profitiert von den offenen Atlantikswells, insbesondere aus Nordwest, und bietet über große Teile des Jahres surfbare Bedingungen. Durch die besondere Länge des Strandes verteilen sich die Peaks, sodass selbst an besseren Tagen genügend Platz im Line-up bleibt. Die Wellen sind meist weich bis moderat kraftvoll und eignen sich daher sowohl für fortgeschrittene Anfänger, als auch für erfahrene Surfer, die an unter weniger überlaufenen Bedingungen üben möchten. Hervorzuheben ist hier der sehr freundliche All-in-One Anlaufpunkt für Surfer Raz Surfcamp, bei dem man Equipment ausleihen kann.


Schnorcheln

Mehrere Schnorchelspots bietet die Illa de Arousa. Diese Insel ist mit einer der längsten Brücken Spaniens (beinahe zwei Kilometer) mit dem Festland verbunden. Nicht zuletzt dank ihrer 36 km langen Küste (davon 11 km Sandstrände) hat die Europäische Union die Insel zum Naturschutzgebiet erklärt.


Die Illa de Arousa bietet ideale Bedingungen für entspanntes Schnorcheln in ruhigen, klaren Gewässern. Besonders rund um den Nationalpark Parque Natural de Carreirón eröffnet sich eine geschützte Küstenlandschaft mit flachen Buchten, Seegraswiesen und felsigen Abschnitten, die eine erstaunliche Artenvielfalt beherbergen. Hier lassen sich kleine Fische, Krebse und andere Meeresbewohner in ihrem natürlichen Habitat beobachten, während das meist ruhige Wasser auch weniger erfahrenen Schnorchlern zugutekommt. Anders als an exponierten Atlantikstränden steht auf der Illa de Arousa die stille Erkundung einer sensiblen Unterwasserwelt, eingebettet in eine weitgehend unberührte Naturkulisse, im Vordergrund.


Kulinarik


Albariño Wein

Albariño kann mit „die kleine Weiße vom Rhein“ übersetzt werden. Er ist eine Rebsorte aus Galicien, genauer gesagt aus der Provinz Pontevedra, wo sie zur Herstellung von Weißwein verwendet wird. Das Fest zu ihren Ehren, zu dem mehr als hunderttausend Menschen zusammenkommen, findet am ersten Sonntag im August in Cambados statt.


Seine Weine zeichnen sich durch einen hohen Alkoholgehalt und eine ausgeprägte Säure aus. Sie besitzen ein großes fruchtiges Aromapotenzial mit blumigen Nuancen. Diese sortenreinen Weine zählen zu den renommiertesten Weißweinen Galiciens.


Pan Gallego

Einen kulinarischen Ehrenplatz bekommt von uns das ausgesprochen leckere Pan Gallego. 2019 erhielt es von der Europäischen Union die offizielle Anerkennung als Produkt mit geschützter geografischer Angabe. Es zeichnet sich durch einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aus, der ihm eine schwammartige Konsistenz mit zahlreichen, unregelmäßigen Poren verleiht, die mit Mehl bestäubte Kruste ist aber sehr knusprig. Darüber hinaus hat es dank der langen Gärzeit einen kräftigen Geschmack mit einer leicht säuerlichen Note. Aufgrund seiner hohen Qualität zählt dieses Brot zu den beliebtesten Brotsorten in Spanien.

 
 
 

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